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Absturzgefahren

Facility Management: Arbeitsschutz » Grundlagen » Typische Gefährdungen » Absturzgefahren

Absturzgefahren im Arbeitsschutz bei Arbeiten in der Höhe mit fehlenden Sicherungen und Absturzkanten

Risiken des Fallens in Arbeitsschutz- und Gesundheitsschutzsystemen

Sturz- und Absturzrisiken gehören zu den schwerwiegendsten Gefährdungen in Arbeitsschutz- und Gesundheitsschutzsystemen, da sie innerhalb sehr kurzer Zeit zu schweren Verletzungen, dauerhaften Beeinträchtigungen oder tödlichen Unfällen führen können. Im Facility Management entstehen diese Risiken insbesondere bei Wartungs-, Inspektions-, Reinigungs-, Installations-, Reparatur- und Zugangsarbeiten auf Dächern, Leitern, Podesten, Treppenanlagen, Schächten, Ladebereichen sowie bei der Nutzung temporärer Arbeitsmittel. Zu den Gefährdungen zählen nicht nur Abstürze aus der Höhe, sondern auch Stürze in Öffnungen, durch nicht tragfähige Flächen sowie von instabilen Zugangsstellen. Eine wirksame Beherrschung dieser Risiken erfordert ein strukturiertes System aus Planung, technischen Schutzmaßnahmen, organisatorischen Verfahren, qualifiziertem Personal und geeigneter Notfallvorsorge. Ein professionelles Verständnis von Absturzrisiken ist daher für einen sicheren Gebäudebetrieb, eine wirksame Steuerung von Fremdfirmen, die Einhaltung gesetzlicher Anforderungen und die Aufrechterhaltung von Facility Services unverzichtbar.

Arbeitsschutzrisiken bei Bau- und Betriebsübergang

Definition und Umfang von Absturzrisiken

Absturzrisiken bezeichnen Gefährdungen, die entstehen, wenn eine Person das Gleichgewicht, den Halt, die Unterstützung oder den Schutz verliert und von einer Ebene auf eine andere stürzt, in eine Öffnung fällt, durch eine Fläche bricht oder von einem Zugangs- oder Arbeitsmittel abstürzt. In Arbeitsschutzsystemen werden diese Risiken als Gefährdungen mit hoher Priorität eingestuft, da die Folgen häufig unmittelbar und gravierend sind.

Der Umfang von Absturzrisiken im Facility Management umfasst:

Kategorie des Absturzrisikos

Beschreibung

Absturz aus der Höhe

Absturz von Dächern, Leitern, Podesten, Gerüsten, Stufen oder erhöhten Arbeitsbereichen

Sturz durch Öffnungen

Sturz durch Bodenöffnungen, Schächte, Lichtkuppeln oder ungesicherte Versorgungskanäle

Absturz von Zugangs- und Arbeitsmitteln

Absturz von Leitern, fahrbaren Gerüsten, Hubarbeitsbühnen oder temporären Arbeitsplattformen

Sturz in tiefergelegene Bereiche

Sturz in Gruben, Kellerräume, Behälter, Gräben oder Wartungshohlräume

Absturz durch nicht tragfähige Flächen

Einbruch durch Dachplatten, Oberlichter, abgehängte Decken oder beschädigte Abdeckungen

Sturz auf gleicher Ebene mit Kantenbezug

Ausrutschen oder Stolpern in der Nähe ungesicherter Kanten, Treppen oder Absturzzonen

Dieser Umfang ist von besonderer Bedeutung, weil nicht alle Sturzgefahren ausschließlich bei klassischen Bauarbeiten auftreten. Viele entstehen im Rahmen des routinemäßigen Gebäudebetriebs und der laufenden Instandhaltung.

Bedeutung der Kontrolle von Absturzrisiken im Facility Management

Im Facility Management sind Arbeiten in der Höhe sowohl bei geplanten als auch bei reaktiven Maßnahmen üblich. Techniker greifen auf Dachanlagen, HLK-Komponenten, Beleuchtungssysteme, Fassaden, Dachrinnen, Technikpodeste, abgehängte Bauteile, Kabeltrassen, Lagersysteme und äußere Gebäudestrukturen zu. Auch Reinigungskräfte, Inspektionspersonal, Fremdfirmen und sonstige Dienstleister sind im Rahmen ihrer regulären Tätigkeiten potenziell exponiert.

Die Kontrolle von Absturzrisiken ist wichtig, weil sie folgende Personengruppen und Interessen schützt:

  • Instandhaltungspersonal bei Inspektions- und Reparaturarbeiten

  • Fremdfirmen beim Zugang zu Dächern, Fassaden und erhöhten technischen Anlagen

  • Reinigungspersonal bei Tätigkeiten auf erhöhten Flächen oder mit Zugangsgeräten

  • Nutzer und Besucher, die durch unsichere Zugangsbereiche oder herabfallende Gegenstände gefährdet werden können

  • betriebliche Sachwerte und Abläufe, die von einer sicheren Durchführung höhenbezogener Tätigkeiten abhängen

Aus Managementsicht gehören Sturzereignisse zu den Vorfällen mit besonders hoher Schadensschwere. Sie können zu schweren Verletzungen, Betriebsunterbrechungen, Untersuchungen, Haftungsansprüchen und Reputationsschäden führen.

Typische Situationen, in denen Absturzrisiken entstehen

Absturzgefahren in Arbeitsschutzsystemen entstehen häufig nicht allein durch die Höhe, sondern im Zusammenhang mit bestimmten Tätigkeiten. Das Verständnis des betrieblichen Kontexts ist daher entscheidend für eine sachgerechte Gefährdungsbeurteilung.

Arbeitssituation

Typische Absturzgefährdung

Dachzugang und Dachwartung

Ungesicherte Kanten, nicht tragfähige Dachflächen, Witterungseinflüsse

Leiterarbeiten

Gleichgewichtsverlust, fehlerhafte Aufstellung, Überstrecken, instabiler Stand

Wartung von Anlagen und Geräten

Arbeiten in der Nähe erhöhter Podeste, Laufstege oder offener Wartungsstellen

Fassaden- und Fensterreinigung

Äußere Exposition, hängender Zugang, Arbeiten nahe an Kanten

Beleuchtungs- und Deckenwartung

Temporäre Zugangsgeräte, Überkopfarbeit, eingeschränkte Stabilität

Lade- und Lagerarbeiten

Stürze von Verladerampen, Zwischenebenen, Regalen oder Fahrzeugladeflächen

Inspektionstätigkeiten

Kurzer Zugang ohne vollständige Vorbereitung, insbesondere bei reaktiven Einsätzen

Bau-, Renovierungs- oder Ausbauarbeiten

Veränderte Oberflächen, unvollständige Absperrungen, temporäre Öffnungen

Diese Beispiele zeigen, dass Absturzrisiken eng mit der Organisation der Arbeit, der Zugangsgestaltung und der Aufsicht verknüpft sind.

Absturz an ungesicherten Kanten

Diese Gefährdung tritt dort auf, wo Dächer, Balkone, Plattformen, Treppenpodeste, Technikdecks oder Ladebereiche keine ausreichenden Geländer oder Kollektivschutzsysteme aufweisen. Besonders gefährlich ist sie bei erheblichen Höhenunterschieden.

Absturz durch nicht tragfähige Flächen

Nicht tragfähige Materialien wie Oberlichter, Lichtkuppeln, gealterte Dachplatten, Deckenpaneele oder korrodierte Oberflächen können optisch belastbar erscheinen, unter Körpergewicht jedoch versagen. Diese Gefährdungen werden häufig unterschätzt, weil die Gefahr nicht immer unmittelbar erkennbar ist.

Sturz durch Bodenöffnungen und Schächte

Wartungsklappen, Versorgungsschächte, Aufzugsschächte, Steigzonen, Kontrollgruben und ungesicherte Durchbrüche können zu Absturzstellen werden, wenn sie nicht sicher abgedeckt oder abgesperrt sind.

Absturz von Leitern und Trittmitteln

Leitern sind im Facility Management weit verbreitet, gleichzeitig aber eine häufige Ursache für Verletzungen. Abstürze entstehen durch falschen Aufstellwinkel, wegrutschende Leiterfüße, instabile Untergründe, ungeeignete Leiterauswahl, das Tragen von Lasten beim Aufstieg oder zu große Reichweiten.

Absturz von temporären Arbeitsplattformen

Fahrgerüste, Gerüste, Hubarbeitsbühnen und provisorische Zugangsstrukturen bergen Risiken, wenn sie nicht sachgerecht montiert, stabilisiert, geprüft oder innerhalb ihrer sicheren Einsatzgrenzen genutzt werden.

Abstürze infolge von Ausrutschen oder Stolpern in der Höhe

Beschäftigte können aufgrund nasser Oberflächen, Unordnung, Kabeln, Niveauunterschieden oder schlechter Beleuchtung den Halt verlieren, während sie nahe an einer Kante oder auf einem erhöhten Zugangs- oder Arbeitsmittel arbeiten.

Häufige Ursachen von Absturzereignissen

Absturzereignisse sind in der Regel das Ergebnis einer Kombination aus unsicheren Zuständen und unsicherem Verhalten. Ein professionelles Sicherheitssystem muss beide Aspekte identifizieren und beherrschen.

Ursachenkategorie

Typischer Mangel oder unsicherer Zustand

Unzureichender Kantenschutz

Fehlende oder mangelhafte Geländer, Bordbretter oder Absperrungen

Ungeeignete Zugangs- oder Arbeitsmittel

Verwendung einer falschen Leiter, beschädigter Tritte oder instabiler mobiler Plattformen

Unzureichende Planung

Beginn von Höhenarbeiten ohne Gefährdungsbeurteilung oder ohne geeignetes Schutzkonzept

Instabile Oberflächen

Nicht tragfähige Dächer, schwache Abdeckungen, beschädigte Gitterroste, rutschige Böden

Witterungseinflüsse

Wind, Regen, Hitze, Eis, Blendung oder eingeschränkte Sicht, die die Standsicherheit beeinträchtigen

Mangelnde Schulung

Beschäftigte verstehen sicheres Steigen, Anschlagpunkte oder Gerätegrenzen nicht ausreichend

Unsicheres Verhalten

Überstrecken, Aufsteigen ohne Dreipunktkontakt, Umgehen von Absperrungen

Unzureichende Aufsicht

Durchführung risikoreicher Arbeiten ohne Kontrolle oder Freigabeverfahren

Mangelhafte Ordnung und Sauberkeit

Werkzeuge, Kabel, Abfälle oder Materialien als Stolperstellen

Zeitdruck

Abkürzungen bei Wartungs-, Inspektions- oder Notfalleinsätzen

Diese Ursachen verdeutlichen, dass Absturzprävention nicht auf persönliche Schutzausrüstung reduziert werden darf, sondern bereits bei der Arbeitsgestaltung und Zugangskontrolle beginnt.

Risikofaktoren, die die Schwere erhöhen

Nicht jede Absturzsituation ist gleich gefährlich. Die Schadensschwere steigt, wenn zusätzliche Risikofaktoren vorliegen.

Risikofaktor

Warum er die Gefahr erhöht

Größere Absturzhöhe

Erhöht die Wahrscheinlichkeit tödlicher oder lebensverändernder Verletzungen

Harter Aufprallbereich

Beton, Stahl oder darunterliegende Maschinen verschlimmern die Verletzungsfolgen

Scharfe oder hervorstehende Gegenstände unterhalb

Führen zu zusätzlichem Eindring- oder Anpralltrauma

Instabile Arbeitsposition

Schmale Standflächen, geneigte Körperhaltung oder einhändiges Arbeiten verringern die Kontrolle

Witterungsbedingungen

Wind, Regen, Eis und Hitze beeinträchtigen Griff, Sicht und Konzentration

Tragen von Werkzeugen oder Materialien

Beeinträchtigt Gleichgewicht und sichere Handnutzung beim Steigen

Schlechte Beleuchtung

Erschwert das Erkennen von Kanten, Niveauunterschieden und Hindernissen

Ermüdung oder Stress

Vermindert Urteilsvermögen, Balance und Aufmerksamkeit

Unzureichende Rettungsplanung

Verzögert Hilfe nach einem Absturz oder Hängetrauma

Eine Gefährdungsbeurteilung muss daher nicht nur bewerten, ob ein Absturz möglich ist, sondern auch, wie schwerwiegend die Folgen unter den tatsächlichen Standortbedingungen wären.

Personengruppen mit typischer Exposition gegenüber Absturzrisiken

Im Facility Management können viele Personengruppen Absturzrisiken ausgesetzt sein, auch wenn sie sich selbst nicht als Beschäftigte mit Höhenarbeit betrachten.

Instandhaltungstechniker

Sie betreten regelmäßig Dächer, Technikräume, erhöhte Plattformen, Leitern und Wartungsstrukturen, um Inspektionen und Reparaturen durchzuführen.

Fremdfirmen

Externe Auftragnehmer führen häufig Fassadenarbeiten, Dacharbeiten, Installationen, Malerarbeiten, Elektroarbeiten, mechanische Wartung und Umbauten mit Höhenexposition durch.

Reinigungs- und Housekeeping-Personal

Diese Beschäftigten nutzen Leitern, Trittplattformen oder erhöhte Zugangsgeräte für Fensterreinigung, hochgelegene Reinigungsarbeiten oder unterstützende Tätigkeiten bei Überkopfarbeiten.

Reinigungs- und Housekeeping-Personal

Diese Beschäftigten nutzen Leitern, Trittplattformen oder erhöhte Zugangsgeräte für Fensterreinigung, hochgelegene Reinigungsarbeiten oder unterstützende Tätigkeiten bei Überkopfarbeiten.

Sicherheits- und Inspektionspersonal

Regelmäßige Kontrollen an Außenstrukturen, Beleuchtung, Kameras und erhöht angebrachten Sicherheitseinrichtungen können sie Kanten- oder Leitergefahren aussetzen.

Nutzer und Besucher

Auch wenn sie selbst keine Arbeiten in der Höhe durchführen, können sie durch unzureichend gesicherte Zugangsbereiche, offene Schächte, fehlende Absperrungen oder herabfallende Gegenstände gefährdet werden.

Typische Facility-Bereiche mit erhöhtem Absturzrisiko

Bestimmte Bereiche eines Gebäudes oder einer Anlage erfordern aufgrund ihrer baulichen Gestaltung oder betrieblichen Nutzung konsequent stärkere Schutzmaßnahmen.

Facility-Bereich

Grund für erhöhtes Absturzrisiko

Dächer und Dachtechnikbereiche

Kantenexposition, nicht tragfähige Zonen, Witterungseinflüsse, unebene Flächen

Treppenhäuser und Podeste

Niveauunterschiede, mangelhafter Unterhalt, fehlende Handläufe

Technikpodeste und Laufstege

Schmale Zugangswege und Nähe zu offenen Kanten

Aufzugsschächte und Versorgungshohlräume

Offener vertikaler Absturzraum und wartungsbedingter Zugang

Verladerampen und Zwischenebenen

Fahrzeugbewegung, Kantenexposition, temporäre Handhabungstätigkeiten

Außenfassaden und Vordächer

Schwieriger Zugang und Belastung durch Wind oder Witterung

Wartungsgruben und Kelleröffnungen

Eingeschränkte Sicht und Sturz in tieferliegende Bereiche

Temporäre Arbeitszonen

Entfernte Absperrungen, veränderte Fußbodenniveaus, unvollständige Strukturen

Ein standortbezogener Ansatz ist hilfreich, weil Facility-Management-Teams dadurch Inspektionen, Zugangsbeschränkungen und Schutzprioritäten gezielt steuern können.

Folgen von Absturzgefahren

Absturzrisiken sind als wesentliche Gefährdungen zu behandeln, weil ihre Folgen häufig schwerwiegend und weitreichend sind.

Folgenart

Beispiele

Körperliche Verletzungen

Frakturen, Kopfverletzungen, Wirbelsäulentraumata, innere Verletzungen, Schnitt- und Platzwunden

Dauerhafte Beeinträchtigung

Verlust der Mobilität, chronische Schmerzen, neurologische Schäden, eingeschränkte Arbeitsfähigkeit

Todesfall

Tod infolge Aufprall, Struktureinbruch oder Sturz in gefährliche Anlagen oder Räume

Sekundärereignisse

Herabfallende Werkzeuge, Geräteschäden, Kollisionen mit Infrastruktur, erschwerte Rettung

Betriebliche Störungen

Bereichssperrung, Verzögerung von Instandhaltungsarbeiten, Serviceunterbrechung, Notabschaltung

Rechtliche und regulatorische Auswirkungen

Untersuchungen, Bußgelder, Ansprüche, strafrechtliche Verfolgung, Auditfeststellungen

Finanzielle Verluste

Entschädigungen, Reparaturkosten, Stillstandskosten, Verzögerungen bei Fremdfirmen, Versicherungsauswirkungen

Reputationsschäden

Vertrauensverlust in das Sicherheitsmanagement und die betriebliche Governance

Dies macht die Beherrschung von Absturzrisiken sowohl zu einer lebensschützenden Priorität als auch zu einer zentralen Managementverantwortung.

Gefährdungsbeurteilung von Absturzrisiken in Arbeitsschutzsystemen

Vor Beginn jeder Arbeit in der Höhe oder in Bereichen mit Absturzgefahr ist eine formelle Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Diese Beurteilung muss auf die konkrete Tätigkeit, den tatsächlichen Ort, die eingesetzten Arbeitsmittel und die beteiligten Personen zugeschnitten sein.

Bewertungsfaktor

Zentrale Fragestellung

Höhenunterschied

Wie weit könnte eine Person abstürzen?

Zugangsart

Ist das gewählte Zugangs- oder Arbeitsmittel geeignet und standsicher?

Oberflächenzustand

Ist die Arbeitsfläche tragfähig, trocken, eben und ausreichend belastbar?

Kantenschutz

Sind Geländer, Abdeckungen oder Absperrungen vorhanden und wirksam?

Bruch- oder Durchsturzgefahr

Kann die Person durch die Fläche selbst stürzen?

Dauer und Häufigkeit

Ist die Tätigkeit kurzzeitig, wiederkehrend oder von längerer Dauer?

Witterung und Umgebungsbedingungen

Beeinträchtigen Wind, Regen, Hitze oder Sichtverhältnisse die sichere Arbeit?

Kompetenz der Beschäftigten

Sind die beteiligten Personen für diese Tätigkeit geschult und freigegeben?

Diese Beurteilung ist besonders wichtig bei nicht routinemäßigen Tätigkeiten, Notreparaturen, Dacharbeiten und Einsätzen von Fremdfirmen.

Erforderliche Schutzmaßnahmen nach dem Schutzmaßnahmenprinzip

Die Absturzprävention muss der Hierarchie der Schutzmaßnahmen folgen. Die wirksamste Maßnahme besteht darin, Arbeiten in der Höhe soweit wie möglich zu vermeiden. Danach folgen kollektive technische Schutzmaßnahmen, organisatorische Regelungen und erst anschließend persönliche Schutzausrüstung.

Vermeidung und Beseitigung von Höhenarbeit

Die wirksamste Schutzmaßnahme besteht darin, die Exposition vollständig zu vermeiden.

Vermeidungsmaßnahme

Praktische Anwendung

Arbeiten vom Boden aus durchführen

Einsatz verlängerbarer Werkzeuge für Inspektion, Reinigung oder kleinere Justierungen

Servicepunkte verlagern

Technische Auslegung so, dass Wartung von sicheren Zugangsbereichen aus möglich ist

Fernüberwachung einsetzen

Reduzierung physischer Dach- oder Plattformzugänge für Inspektionszwecke

Vorbereitung am Boden

Vorfertigung oder Vorbereitung von Bauteilen auf Bodenniveau, um die Aufenthaltsdauer in der Höhe zu reduzieren

Kollektive technische Schutzmaßnahmen

Kollektivschutz ist zu bevorzugen, weil er alle Personen im Bereich schützt und nicht ausschließlich vom individuellen Verhalten abhängt.

Technische Maßnahme

Schutzfunktion

Geländer und Handläufe

Verhindern Abstürze an Kanten, Treppen und Plattformen

Abdeckungen über Öffnungen

Verhindern Stürze in Schächte, Kanäle oder technische Durchdringungen

Feste Laufwege und Plattformen

Schaffen stabile Zugänge über Dächer und Technikbereiche

Bordbretter und Kantenbarrieren

Verringern Abrutschgefahr auf Fußniveau und das Risiko herabfallender Gegenstände

Fangnetze

Begrenzen in bestimmten Arbeitszonen die Schwere möglicher Verletzungen

Rutschhemmende Oberflächen

Verbessern die Standsicherheit auf Verkehrs- und Arbeitsflächen

Dauerhaft gesicherte Zugangssysteme

Leitern, Treppen und Anschlageinrichtungen, die für eine sichere Nutzung ausgelegt sind

Kennzeichnung und Absperrung nicht tragfähiger Flächen

Warnen vor unsicheren Dachbereichen und trennen diese vom sicheren Arbeitsbereich

Organisatorische und verfahrensbezogene Schutzmaßnahmen

Diese Maßnahmen stellen sicher, dass höhenbezogene Tätigkeiten geplant, überwacht und nur von qualifizierten Personen durchgeführt werden.

Organisatorische Maßnahme

Zweck

Erlaubnisscheinverfahren für Arbeiten in der Höhe

Formale Freigabe und Risikoprüfung vor Arbeitsbeginn

Tätigkeitsspezifische Gefährdungsbeurteilung

Ermittlung von Gefährdungen, Schutzmaßnahmen und Rettungsanforderungen

Zugangsbeschränkungen

Verhindern unbefugten Zutritt zu Hochrisikobereichen

Sichere Arbeitsanweisungen

Standardisierung von Aufbau, Aufstieg, Positionierung und Prüfung

Kompetenzanforderungen

Sicherstellen, dass nur geschulte Personen erhöhte Arbeiten durchführen

Prüfungen vor Benutzung

Überprüfung von Leitern, Plattformen, Auffanggurten und Anschlagpunkten

Wetterüberwachung

Unterbrechung der Arbeiten bei unsicheren Bedingungen

Koordination von Fremdfirmen

Sicherstellen, dass externe Unternehmen die standortspezifischen Absturzschutzregeln einhalten

Aufsicht und Kommunikation

Aufrechterhaltung der Kontrolle über risikoreiche oder allein durchgeführte Tätigkeiten

Persönliche Schutzmaßnahmen

Persönliche Schutzausrüstung ist erforderlich, wenn nach Umsetzung höherrangiger Maßnahmen ein Restrisiko verbleibt. Sie darf nicht die erste oder einzige Schutzmaßnahme sein, sofern kollektive Schutzmaßnahmen möglich sind.

Persönliche Absturzschutzausrüstung muss entsprechend der Art der Tätigkeit, der Eignung des Anschlagpunktes, der erforderlichen freien Fallstrecke und der Rettungsmöglichkeit ausgewählt werden.

Sichere Nutzung von Leitern und Zugangsgeräten

Leitern sind im Facility-Betrieb verbreitet, sollten jedoch nur eingesetzt werden, wenn die Tätigkeit von kurzer Dauer, mit geringem Risiko verbunden und nicht besser von einer sichereren Plattform aus durchführbar ist. Der unsachgemäße Einsatz von Leitern ist eine häufige Ursache von Absturzunfällen.

Die sichere Nutzung von Leitern sollte Folgendes umfassen:

Grundsatz der Leitersicherheit

Erforderliche Praxis

Richtige Auswahl des Arbeitsmittels

Auswahl von Leiterart und -höhe entsprechend der Tätigkeit

Standsichere Aufstellung

Aufstellung auf festem, ebenem Untergrund und Sicherung gegen Wegrutschen

Korrekte Anstellweise

Anlegeleitern im sicheren Arbeitswinkel positionieren

Dreipunktkontakt

Stets zwei Hände und ein Fuß oder zwei Füße und eine Hand in Kontakt halten

Kein Überstrecken

Leiter versetzen, statt außerhalb des sicheren Gleichgewichtsbereichs zu arbeiten

Prüfung vor Benutzung

Kontrolle auf Beschädigungen, Verschleiß, Verschmutzung oder fehlende Leiterfüße

Keine schweren Lasten beim Steigen tragen

Verwendung von Werkzeuggurten oder geeigneten Hebe- bzw. Transportmethoden

Begrenzte Einsatzdauer

Keine Nutzung für lang andauernde oder kraftintensive Tätigkeiten

Wenn eine höhere Stabilität erforderlich ist, ist in der Regel eine Arbeitsplattform oder ein mobiles höhenverstellbares Zugangssystem die geeignetere Lösung.

Dacharbeiten und Schutz vor nicht tragfähigen Flächen

Dacharbeiten stellen im Facility Management eine wesentliche Absturzgefahr dar, weil sie Höhenexposition mit Witterungseinflüssen, komplexem Zugang und häufig schlecht erkennbaren bruchgefährdeten Bereichen verbinden.

Die Beherrschung des Absturzrisikos bei Dacharbeiten sollte Folgendes umfassen:

  • festgelegte sichere Zugangswege

  • Kantenschutz oder Rückhaltesysteme

  • Identifikation und Kennzeichnung bruchgefährdeter Bereiche wie Lichtkuppeln und gealterter Dachplatten

  • Beschränkung unbefugten Dachzugangs

  • Arbeitsfreigaben und Aufsicht für Dacharbeiten

  • wetterabhängige Stop-Kriterien

  • sichere Ablage von Werkzeugen und Materialien zur Vermeidung von Ausrutschen und herabfallenden Gegenständen

Bruchgefährdete Flächen erfordern besondere Vorsicht, da Beschäftigte häufig annehmen, eine Dachfläche sei tragfähig, obwohl sie es nicht ist.

Rettung und Notfallvorsorge

Ein Absturzschutzsystem ist ohne Rettungsplanung unvollständig. Im Falle eines aufgefangenen Absturzes kann eine Person im Auffangsystem hängen bleiben und zusätzlich durch Hängetrauma, Verletzungen, Witterungseinflüsse oder erschwerten Zugang gefährdet werden.

Notfallelement

Erforderlicher Schwerpunkt

Rettungsplan

Festlegung, wie eine abgestürzte oder hängende Person erreicht und geborgen wird

Alarmierung und Kommunikation

Sicherstellung schneller Meldung und eindeutiger Eskalationswege

Verfügbarkeit von Rettungsausrüstung

Bereithaltung geeigneter Rettungs- und Zugangsgeräte

Erste-Hilfe-Bereitschaft

Versorgung von Blutungen, Frakturen, Bewusstlosigkeit und Schock

Koordination mit Rettungsdiensten

Sicherstellung, dass standortspezifische Zugangsinformationen verfügbar sind

Absicherung des Bereichs

Vermeidung von Folgeabstürzen oder gefährlichen Menschenansammlungen am Ereignisort

Die Notfallplanung muss praxisgerecht und aufgabenspezifisch sein, insbesondere bei Dacharbeiten, hängendem Zugang oder abgelegenen technischen Bereichen.

Schulungs- und Kompetenzanforderungen

Die Wirksamkeit der Absturzprävention hängt in hohem Maße von der Kompetenz der beteiligten Personen ab, da viele Schutzmaßnahmen eine korrekte Einrichtung, Prüfung und Entscheidungsfindung erfordern.

Schulungen sollten folgende Themen abdecken:

Schulungsbereich

Inhaltlicher Schwerpunkt

Gefahrenerkennung

Erkennen von Kanten, Öffnungen, bruchgefährdeten Flächen und instabilen Zugangsstellen

Auswahl sicherer Zugangsarten

Entscheidung zwischen Leiter, Plattform, Gerüst oder anderen Verfahren

Nutzung persönlicher Absturzschutzausrüstung

Richtiges Anlegen, Anschlagen, Einstellen und Prüfen

Leiter- und Plattformsicherheit

Aufbau, Einsatzgrenzen und Grundsätze der Standsicherheit

Bewusstsein für Freigaben und Gefährdungsbeurteilungen

Verstehen, wann formelle Schutzmaßnahmen erforderlich sind

Beurteilung von Witterung und Umgebung

Erkennen, wann Bedingungen eine sichere Arbeit nicht mehr zulassen

Notfallreaktion

Wissen, wie im Fall eines Absturzes oder Hängetraumas zu handeln ist

Die Kompetenz sollte dokumentiert und an die Komplexität der Aufgabe sowie an die verwendeten Arbeitsmittel angepasst werden. Risiken des Fallens in Arbeitsschutz- und Gesundheitsschutzsystemen umfassen Gefährdungen im Zusammenhang mit Arbeiten in der Höhe, ungesicherten Kanten, nicht tragfähigen Flächen, Öffnungen, Zugangs- und Arbeitsmitteln sowie instabilen erhöhten Arbeitsbedingungen. Im Facility Management sind diese Risiken besonders relevant, weil routinemäßige Betriebsabläufe häufig den Zugang zu Dächern, Plattformen, Leitern und technischen Bereichen erfordern, in denen bereits ein einzelnes Versagen zu schweren Verletzungen oder tödlichen Ereignissen führen kann. Eine wirksame Prävention beruht auf einer strukturierten Kombination aus Vermeidung, kollektivem Schutz, sicherer Zugangsgestaltung, verfahrensbezogener Kontrolle, qualifiziertem Personal, persönlichem Absturzschutz bei verbleibendem Restrisiko sowie praxisgerechter Rettungsvorsorge. Ein professionelles Facility-Management-System muss Absturzrisiken daher als sicherheitskritische Priorität behandeln und diese konsequent in Planung, Instandhaltung, Fremdfirmensteuerung und tägliche Betriebsführung integrieren.